Mikrowechselrichter erklärt: Funktion, Hersteller und Vorteile

APsystems QS2 Mikrowechselrichter - Beispiel eines modernen Microinverters

Ein Mikrowechselrichter (auch Microinverter oder Modulwechselrichter) wandelt den Gleichstrom eines einzelnen Solarmoduls direkt in Wechselstrom um. Im Gegensatz zu String-Wechselrichtern, die mehrere Module gemeinsam verarbeiten, arbeitet jeder Mikrowechselrichter unabhängig – was Vorteile bei Teilverschattung und Monitoring bietet.

Geschichte: Enphase als Pionier

Die Mikrowechselrichter-Technologie wurde massgeblich von Enphase Energy geprägt. Das 2006 in Kalifornien gegründete Unternehmen brachte 2008 mit dem Enphase M175 den ersten kommerziell erfolgreichen Mikrowechselrichter auf den Markt. Laut Wikipedia revolutionierte Enphase damit die Solarbranche, indem es die modulweise Optimierung zum Standard machte.

Heute ist Enphase mit der IQ-Serie (IQ7, IQ8) Marktführer bei Mikrowechselrichtern für Dachanlagen. Der IQ8 kann sogar bei Stromausfall weiterproduzieren – ein Novum in der Branche.

Wie funktioniert ein Mikrowechselrichter?

Jeder Mikrowechselrichter enthält:

  • MPPT-Tracker: Optimiert die Leistung des einzelnen Moduls
  • DC/AC-Wandler: Konvertiert Gleichstrom in netzkonformen Wechselstrom
  • Kommunikationsmodul: Sendet Leistungsdaten an Gateway oder Cloud
  • Schutzschaltungen: Überspannung, Überstrom, Temperatur

Die Geräte werden direkt unter oder neben dem Solarmodul montiert und sind für den Ausseneinsatz (IP67) ausgelegt.

Mikrowechselrichter vs. String-Wechselrichter

Das Fraunhofer ISE vergleicht beide Systeme:

Vorteile Mikrowechselrichter:

  • Kein «Weakest Link»-Problem: Verschattung eines Moduls beeinträchtigt nicht die anderen
  • Modulweises Monitoring: Defekte sofort erkennbar
  • Einfache Erweiterung: Neue Module einzeln hinzufügbar
  • Keine Hochspannung auf dem Dach: Sicherer für Installateure und Feuerwehr
  • Längere Garantien: Oft 25 Jahre (vs. 10-15 bei String)

Nachteile Mikrowechselrichter:

  • Höhere Anschaffungskosten pro Watt
  • Mehr Komponenten auf dem Dach = mehr potenzielle Fehlerquellen
  • Schwieriger zugänglich bei Wartung

Hersteller im Überblick

Enphase Energy (USA): Marktführer, IQ-Serie für Dachanlagen, premium-positioniert.

Hoymiles (China): Preis-Leistungs-Sieger, besonders beliebt bei Balkonkraftwerken. Der HMS-800 ist der meistverkaufte Mikrowechselrichter in Deutschland. Hoymiles bietet als einer der ersten DTU-lose Kommunikation via integriertem WLAN.

APsystems (China): Spezialist für Zwei- und Vier-Modul-Wechselrichter. Der EZ1-M ist speziell für Balkonkraftwerke konzipiert mit App-Steuerung und Nulleinspeisung.

TSUN (China): Aufsteiger mit günstigen Preisen, kompatibel mit Hoymiles-Gateways.

Mikrowechselrichter bei Balkonkraftwerken

Für Balkonkraftwerke sind Mikrowechselrichter der Standard. Systeme wie das Zendure SolarFlow oder Anker SOLIX kombinieren Mikrowechselrichter mit Batteriespeicher. Die 800W-Einspeisegrenze in Deutschland (seit 2024) wird durch den Wechselrichter begrenzt.

Auch EcoFlow mit dem PowerStream und Priwatt mit dem priFlat setzen auf Mikrowechselrichter-Technologie für ihre Plug-and-Play-Solarlösungen.